3 unkonventionelle Bewerbungstipps

Bewerbungstipps

Heute möchte ich dir ein paar Bewerbungstipps mit auf den Weg geben, die ich für wirklich wichtig halte und häufiger vorkommen wie du vielleicht denkst. Gestern hat mich ein Telefonat mit einem Kunden aufhorchen lassen und gleichzeitig einige Erinnerungen in mir geweckt. Und zwar vertraute er mir an:

„Frau Schweizer mir wurden nun schon mehrere hochwertige Stellen angeboten, aber ich habe abgelehnt. Die aktuelle private Pflegesituation mit meinen Eltern ist mir als pflegender Angehöriger einfach zu unsicher dieser Verantwortung gerecht zu werden.“

Betreuung und Pflege sind Themen, über die kaum jemand spricht, die aber im Karrierekontext recht häufig vorkommen. Kürzlich konnte unsere Oma aufgrund eines falsch positiven Testes einige Tage nicht mehr in die Tagespflege. Ein Kraftakt, der mehrere Angehörige benötigte, um dem Betreuungsumfang gerecht zu werden. Außerdem übernehmen mein Mann und ich (wie viele andere Eltern) pro Jahr mehrere Wochen Kinderbetreuung. Sei es aufgrund der aktuellen Corona-Situation mit Schließung von Einrichtungen, Quarantäne, Homeschooling, im Rahmen der rund 61 Ferientage, Kinderkrankheiten oder sonstigen betreuungsbedingten Gründen.

Ich habe mich daher gefragt, warum überhaupt so wenig Klartext über familiäre Umstände und Karriere gesprochen wird?

Wie kann es beispielsweise sein, dass zahlreiche Karrieregurus Müttern empfehlen die eigene Familie im Vorstellungsgespräch zu verschweigen? Ich sehe das übrigens komplett anders, wie du weiter unten bei meinen Bewerbungstipps noch erfahren wirst.

Ich möchte dich daher auf eine kleine Reise mitnehmen. Denn vor einigen Jahren steckte ich selbst noch in einer recht schwierigen Situation. Einer ausweglosen Situation, an der ich innerlich beinahe zerbrochen bin, weil ich als Mutter nicht allen Ansprüchen gerecht werden konnte.

Fast ein Jahrzehnt später, möchte ich dir heute vor allem erzählen, was ich mittlerweile anders machen würde und was ich meinen Kund:innen immer gerne als Bewerbungstipps mit auf den Weg gebe.

Zunächst also ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit meiner Angestelltenzeit

Vor vielen Jahren brachte ich als frischgebackene Mama meinen ersten Sohn zur Welt und erlebte einen lebensverändernden Paradigmenwechsel vom Workaholic zur berufstätigen Mutter. Ich liebte meinen Job im HR Management, in dem ich über ein Jahrzehnt an Vorstellungsgesprächen und der Personalauswahl mit Fachvorgesetzten beteiligt war. Seit vielen Jahren bestand mein Leben schon aus unzähligen Überstunden und wenig Privatleben. Aus Kostengründen hatte man außerdem schon einige Jahre zuvor die Stellen von zwei schwangeren Kolleginnen wegrationiert und an mich übergeben. Das machte mir nichts aus, weil ich meine absolute Leidenschaft gefunden hatte. Es war daher also von vornherein klar, dass ich nach kurzer Babyauszeit (die ich für den Abschluss meines Studiums nutzte) wieder zurück in meinen alten Job gehen wollte.

Kathrin Schweizer 2014 min
Ausflug ins Jahr 2014

Doch wie sagt man so schön? Erstens kommts anders und zweitens wie man denkt

Die Enttäuschung war groß, als mein damaliger Arbeitgeber mir bereits während der Schwangerschaft sehr wenig Verständnis entgegenbrachte. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen, denn vor einiger Zeit hatte ich eine Führungskraft sagen hören „Mütter machen in diesem Unternehmen keine Karriere“. Für die Einhaltung der Mutterschutzgesetze musste ich also regelrecht kämpfen. Letztlich landete ich noch während meiner Schwangerschaft ein paar Wochen mit massiven gesundheitlichen Problemen und einer lebensbedrohlichen beinahen Frühgebührt im Krankenhaus.

Der Schock war umso größer, als mein früherer Chef sich nach meiner Elternzeitrückkehr in Teilzeit weigerte den versprochenen Ersatz einzustellen, um meine übrigen Stunden auszugleichen. Meine versprochene Gehaltserhöhung auf die ich viele Jahre hingearbeitet hatte, wurde aus fadenscheinigen Gründen verweigert und der mir zustehende Kinderbetreuungszuschuss abgelehnt. Schon nach kurzer Zeit war ich wieder im Überstundenhamsterrad angekommen und wurde keinen Ansprüchen mehr gerecht. Weder denen meines Kindes, noch der Arbeit und erst recht nicht mir selbst. Was folgte war eine sehr nervenaufreibende Zeit, die mit einem unschönen emotionalen Rechtsstreit und einem Aufhebungsvertrag endete.

So landete ich als Mutter auf dem Jobmarkt und machte meine ersten unschönen Erfahrungen in mütterfeindlichen Interviews. In Vorstellungsgesprächen begegneten mir immer wieder wertende Kommentare und Fragen zur Kinderbetreuung und Anwesenheitszeiten. Einmal, so erinnere ich mich, wurde ich direkt gefragt, ob mir überhaupt klar ist, dass ich mich als Mutter auf eine Vollzeitstelle beworben hätte. Im Gespräch saßen die höchsten Personalchefs eines internationalen Konzerns – alles Männer um die 50. Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt bereits gefragt, ob sie einem Vater die gleichen Fragen stellen würden.

Zurück in die Zukunft

Heute bin ich dankbar für dieses traurige Kapitel in meinem Leben. Denn ich kann die (Existenz)Ängste meiner Kund:innen sehr gut nachfühlen und Tipps als ehemals Betroffene geben. Ich weiß, was es bedeutet, wenn du dich mitten in einer Mobbingsituation befindest und jeden Tag neue Post vom gegnerischen Anwalt eintrudelt. Ich weiß auch, was es heißt sich beruflich neu zu finden und seinen eigenen Weg zu gehen. Abseits von dem Geschwätz der anderen Leute in deinem Umfeld.

Eine Sache, an der ich sehr lange geknabbert habe, war beispielsweise, dass ich immer dachte „Mensch Kathrin, du bist eigentlich nie der Typ gewesen, der einfach so aufgibt.“ Ich habe gehadert und mit mir gerungen, die Fehler für das Geschehene immer bei mir gesucht. Und rückblickend erkenne ich nun, dass es keine Schwäche war am Ende den Aufhebungsvertrag zu unterschreiben und mich für meine Familie zu entscheiden. Vielmehr hätte ich bereits nach der Schwangerschaft nicht mehr zurückkommen sollen.

Bewerbungstipps

Gleichzeitig würde ich mich nie wieder für einen Arbeitgeber entscheiden, der nicht meinen Werten und meiner aktuellen Lebenssituation entspricht. Denn früher oder später bist du aufgrund der Betreuungssituation gezwungen zu Hause zu bleiben – und was dann?

Daher kommen hier nun nachfolgend meine 3 Bewerbungstipps für deine berufliche Neuorientierung:

1. Bewerbungstipp: Höre auf dein Bauchgefühl

Dieser simple Bewerbungstipp klingt eigentlich logisch, wird aber von sehr vielen Menschen aus meiner Erfahrung heraus ignoriert. Ich habe ihn deswegen an erste Stelle gesetzt, weil ich schon sooooo unglaublich viele liebe Personen begleitet habe, die in der Probezeit den Job gewechselt haben. Hauptsächlich haben diese Menschen eines gemeinsam. Sie haben nicht auf ihr Bauchgefühl gehört. Doch was meine ich damit eigentlich genau? Wie kannst du es schaffen bei deiner beruflichen Neuorientierung auf dein eigenes Bauchgefühl zu hören?

Fangen wir einmal von ganz vorne an. Hast du schon bemerkt, dass sich beim Lesen der Stellenanzeige dein Bauchgefühl meldet? Als kleine Hilfestellung kannst du dir folgende Fragen beim Lesen stellen:

  • Wie klingt der Text?
  • Ist das Unternehmen mit den angebotenen Sozialleistungen eher auf Menschen oder Leistungen fixiert?
  • Welche Kompetenzen werden in der ausgeschriebenen Stelle gefordert?
  • Was empfinde ich beim Lesen der Anzeige?
Intuition Jobsuche min
Fotocredit: Edz Norton, Unsplash

Du kannst so unglaublich viel zwischen den Zeilen herauslesen. Eine geforderte hohe Stressbereitschaft ist beispielsweise häufig ein Zeichen für Überstunden. Werden eher zwischenmenschliche Aspekte in der Arbeitgeber- und Aufgabenbeschreibung hervorgehoben, wird hier höchstwahrscheinlich viel Wert auf Zwischenmenschlichkeit gelegt.

Bevor du nun voreilige Schlüsse ziehst kommen wir bereits zum nächsten Punkt.

2. Bewerbungstipp: Wie tickt der Arbeitgeber?

Ich empfehle dir schon vor einer Bewerbung ausreichend Infos im Netz über den Arbeitgeber einzuholen.

Wer ist der Arbeitgeber, wie tickt er, welche Werte sind im Rahmen der Unternehmenskultur vertreten und was sagen vor allem die Mitarbeiter:innen ungeschönt bei Kununu, Google oder Glassdoor? Stalke die Ansprechpartner bei LinkedIn oder Xing und recherchiere auf der Unternehmenswebseite. Erst danach triffst du die Entscheidung, ob du deine Bewerbung einreichen wirst. Du erinnerst dich, auch hier darfst du dich auf dein Bauchgefühl verlassen.

Arbeitgebersuche min
Fotocredit: Agence Olloweb, Unsplash

3. Bewerbungstipp: Sei authentisch

In der Einleitung hatte ich dir schon erzählt, dass ich nichts vom Verschweigen der persönlichen Umstände halte. Früher oder später werden Kinder krank, es fallen helfende Hände aus und du bist auf die Gunst deines Arbeitgebers angewiesen. Spätestens bei einem ersten Kennenlernen im Vorstellungsgespräch ist es daher angebracht von deinen Kindern oder der zu betreuenden Person zu erzählen. Mir ist bewusst, dass die Meinungen zu diesem Bewerbungstipp weit auseinander gehen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass ein Arbeitsverhältnis auf gegenseitigem Vertrauen beruht.

Kathrin Schweizer, Personalberaterin, Wirtschafts­psychologin und Coach, sitzt mit Bewerbungsunterlagen vor rosa Blumenstrauch auf gelber Bank und lächelt in die Ferne.
Ehrlichkeit währt am längsten 🙂

Im Vorstellungsgespräch wird durch ein erstes Kennenlernen ein Fundament gegossen, das großen Einfluss auf die Qualität des gemeinsamen Verhältnisses hat. Durch das Verschweigen deiner familiären Umstände kann wahnsinnig viel kaputt gemacht werden. Ich weiß, dass hier die Angst vor Ablehnung eine große Rolle spielt.  Aber mal ehrlich, wer will denn schon für einen Arbeitgeber/Vorgesetzten tätig sein, der kein Verständnis für die familiäre Situation hat? Schau dir mein obiges Beispiel an und frag dich nochmal…würdest du als Mutter für einen solchen Arbeitgeber tätig sein wollen? Die Angst vor einer Absage halte ich daher für absolut unbegründet.

Umdenken der heutigen Arbeitswelt

Das Arbeitsleben und die heutige Gesellschaft wurden lange Jahre von äußeren Umständen und von Leistung geprägt. Wenn wir uns die Nachkriegsgenerationen und unsere Eltern anschauen, dann ging es hier hauptsächlich um Arbeit, Leistung und Geld. Dabei zählte das Stresslevel in gewisser Hinsicht häufig als Erfolgsindikator inklusive Schlafmangel, Überstunden und Anwesenheiten.

Ich habe für mich festgestellt, dass bei dieser Denkweise der Mensch und der Wert jedes Einzelnen auf der Strecke bleibt. Heutzutage ist Umdenken gefordert und dieses startet bei dir und mir. Die Zeit mit meiner Familie ist kostbar, denn sie ist knapp, unbezahlbar und nicht wiederholbar.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Bewerbungstipps ein paar Impulse mit auf den Weg geben und wünsche dir nun einen schönen neuen Perspektivenwechsel bei deiner beruflichen Neuorientierung.

PS Falls du Unterstützung bei deiner beruflichen Neuorientierung benötigst, dann schau dich gerne mal auf meiner Seite und meiner Leistungsübersicht um. Gerne begleite ich dich bei der Vorbereitung deines Vorstellungsgespräches oder begleite dich im 1:1 Programm langfristig bei deiner Bewerbungsphase.

Bis bald, deine

Unterschrift Kathrin Schweizer

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Ich bin Kathrin, die Karrieremacherin mit ♡ und Leidenschaft. Du erfährst hier alles rund um das Thema Beruf & Berufung, berufliche Neuorientierung, Bewerbungstipps, Ideen und Inspirationen gepaart mit meinem Wissen und meiner persönlichen Kündigungserfahrung. 

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